PFLEGPLATZ INNICHEN

Categories: Wettbewerb

Die vielschichtig formulierte Aufgabenstellung für die Neugestaltung des Pflegplatzes von Innichen erfordert eine einfache und klare Lösung, der es gelingt bestehende stadträumliche Qualitäten und ihren historischen Kontext freizulegen und mit den heute manifesten Anforderungen an Nutzung und Ausstattung sowie neu entstandenen räumlichen Bezügen sinnhaft zu vereinen – die historische bedingte funktionelle und räumliche Diversität wird dabei zum zentralen und identitätsstiftenden Thema des Gestaltungsvorschlags. Der formale Grundkanon des Konzeptes bleibt dabei klar und zugleich unprätentiös und gibt noch genügend Spielraum für eine konsensorientierte Implementierung von Historie und Funktion, auch im Rahmen weiterer partizipativen Prozesse in der konkreten Planung und Umsetzung. Abbruch best. Bodengestaltung (Teer, Grünflächen)

Die Grundelemente für die neue Gestaltung des Pflegplatzes bilden zwei Maßnahmen: ein neuer Baukörper (Pavillon) und eine Zonierung in drei Bereiche. Die Setzung des neuen Baukörpers erfolgt mit präzisem Bezug zu den umliegenden Gebäuden (Organistenhaus, Häuserzeile im Westen, Hotel Post). Lage, architektonische Gestaltung, Materialität und Funktionen unterstreichen die Aufgabe dieses Solitärs: Neuordnung des Pflegplatzes.

Mit seiner nach Norden orientierten Bühne bildet der Pavillon die räumliche Begrenzung für einen kleineren und abgegrenzten Platzbereich [1], der eine neue Wertigkeit erhält und in natürlicher Weise an die bestehende Fußgängerzone in Richtung Westen als auch nach Norden überleitet. Die historische „Wiere“ findet sich als Gestaltungselement im Bodenbelag wieder, auf eine „Freilegung/Rekonstruktion“ wird bewusst verzichtet. Nach Osten hin unterstützt die augenfällige Silhouette des Pavillons gemeinsam mit den anderen „Platzfassaden“ (Organistenhaus, Rathaus, Bank, Residence Post, Hotel Post) die Raumbildung für den Pflegplatz. Der so definierte Pflegplatz wird in die beiden weiteren Bereiche unterteilt: ein großzügiger, befestigter Platz [2] vor Rathaus und Bank bietet dem vielschichtigen Nutzungsprofil einen flexibel bespielbaren Rahmen. In räumlicher Hinsicht leitet dieser Bereich nach Süden zum neuen „Senfterplatzl“ über, im Norden dominiert nach wie vor die imposante Stiftskirche das Erscheinungsbild, die Präsenz der Fassaden von Rathaus und Bank werden bewusst verstärkt. Im Bereich zwischen Organistenhaus und Residence Post wird ein klar definierter Grünbereich [3] verortet, der das ehemalige Kapitelhaus aufwertet soll. Die Alte Markt Straße bleibt in ihrer Wegführung grundsätzlich unverändert, jedoch bricht die straßenübergreifende Gestaltung und Gliederung des Platzes in nord-süd Richtung die Präsenz der Straße.

Im neuen Baukörper mit seiner bewusst skulpturalen Anmutung und Materialität werden eine für viele Zwecke geeignete Bühne (Konzert Musikkapelle, Events, Aufführungen, Übertragung Fußballspiele, Kunst im öffentlichen Raum etc.) samt kleinen Lagerraum, der Imbissstand und öffentliche WC-Anlagen untergebracht.
An der Wegverbindung durch den Grünbereich in Ost-West Richtung wird die geplante „Zeitreise“ verortet: Schautafeln, Symbole, Zeichen, interaktive Geräte werden vor dem ehemaligen Kapitelhaus positioniert, das Grün bildet einen angemessenen Hintergrund für dieses Thema. Wasser und die Heilquellen des Wildbades ergänzen diesen zentralen Bereich am Pflegplatz und lassen ihn zu einem beliebten Ort zum Verweilen werden.
Der befestigte Platzbereich im Osten definiert eine klassische freie Platzfläche, die Vieles kann: im Alltag kreuzen sich hier die Wege der Fußgänger, der Blick auf die Stiftskirche ist präsent, der Bereich vor der Bank kann für „einige“ Parkplätze zur Verfügung gestellt werden, mittelfristig sollte nach Umsetzung des geplanten Parkplatzkonzeptes ein Rückbau der Stellplätze am Pflegplatz angestrebt werden. Dieser Bereich des Pflegplatzes deckt die multifunktionale Anforderungen ab (Monatsmarkt, großes Festzelt, Feuerwehrfest, Tribünen bei Chorfestival, Preisverleihungen, Sportveranstaltungen etc.).

Dietmar Trebo mit Arch. Luca Canali